19./20.08. Tag 126/127 Frankreich

19.08. Laval – Le Mont Saint-Michel  97km, Ø18,1km/h, 5:23h, Gesamt 6731km

20.08. Le Mont Saint-Michel – Brest ( Zug von Combourg – Rennes – Brest)     48km, Ø15,5km/h, 3:08h, Gesamt 6779km

19.08. Am Morgen blickten wir in einen grauen mit Wolken verhangenen Himmel. Schnell packen wir das Zelt ein. Man kann ja nie wissen. Zum Frühstück verziehen wir uns unter das Vordach der Sanitäranlage. Guter Dinge, dass das Wetter stabil noch ohne Regen bleibt, machen wir uns auf den Weg Richtung Küste. Nach 10km kramen wir unsere schönen gelben Körperzelte alias Ponchos raus. Aus der grauen Masse fallen doch Tropfen. Dazu weht ein kräftiger Wind. Diesen haben wir hauptsächlich von hinten! ? So kommen wir zügig vorwärts und der Poncho wirkt wie ein Segel. ?

Das Gelände gestaltet sich sehr hügelig. Hätte ich gar nicht so erwartet. Viele Felder prägen das Landschaftsbild. Wir fahren heute einige größere Strassen, der Autoverkehr hält sich dafür in Grenzen. Unser erstes Ziel ist die Stadt Fougères. Dort gönnen wir uns einen Kaffee bei McDonald und besprechen die weitere Route. Zu unserem Glück sitzen wir drinnen. In der Zwischenzeit schüttet es aus Eimern. Der Satellitenfilm verspricht baldige Besserung. Das animiert uns zum weiter Fahren. Bis Le Mont Saint-Michel sind’s noch gute 40km.

Anstatt das der Regen weniger wird, wird er eher kräftiger und auch der Wind pustet zeitweise heftig von vorn… Von wegen Wetterbesserung. Sogar die Kühe gucken heute komischer als sonst, wenn wir mit unseren gelben Zelten vorbeigeflattert kommen. Die Stimmung rutscht so langen in den Keller. Ein Tag Regen versaut fünf schöne Tage.

Olivers Laune nähert sich gerade dem Tiefpunkt, da lunscht durch ein kleines Wolkenloch die Sonne und wir werfen Schatten. Gerade rechtzeitig um die Stimmung zu retten und um einen ersten Blick an die Küste erhaschen zu können. Und da sehen wir auch schon den Fels Le Mont Saint-Michel. Das gibt uns Vortrieb für die letzten 20km. In Pontorson versorgen wir uns mit Abendbrot. Der dortige Zeltplatz ist uns mit 28 Euro zu teuer. Also nochmal rauf auf’s Rad nach Mont Saint-Michel. Der letzte Zeltplatz an der Küste ist mit 22 Euro der günstigste. Wir bleiben und wollen nach dem Abendbrot und Dusche noch zur Festung.

Gegen 22Uhr fahren wir die 2,5km mit dem kostenlosen Shuttelbus. Ein wahnsinns Eindruck das Mont Saint-Michel bei Nacht zu sehen. Gegenüber steht am Himmel der abnehmende Mond. Was für eine Kulisse! In dem Örtchen fühlen wir uns gleich in eine andere Zeit zurück versetzt. Der Geist der Mönche des Mittelalters liegt noch in der Luft. Der Touristenstrom war verebbt und die Kitschgeschäfte geschlossen. In den schwach beleuchteten Gassen fühlten wir uns wie in einem Historienfilm eingeschlossen. Die Klosteranlage ist riesig und alles bestimmend. Schwer in Worte zu fassen. Im Atlantik war gerade Ebbe, was die seltsame Stimmung noch mystischer erscheinen lies. Kurz vor Mitternacht gingen wir zu Fuß zurück. Es war ein sehr schöner Tagesabschluss. ?

20.08. Als es zu warm im Zelt wurde, sind wir nach kurzer Nacht hinaus gekrabbelt. Die Sonne strahlte uns entgegen. Bevor wir uns auf den Weg machen, wollten wir noch einmal zum Saint-Michel radeln um Fotos zu machen. Doch nach um 10Uhr darf man nicht mehr mit dem Fahrrad hinfahren und es war bereits 11:30h… ? So sagen wir aus der Ferne Tschüss und ahnen schon den Gegenwind der auf uns wartet. Dieser entpuppt sich als sehr heftig und unser Elan Rad zu fahren sinkt ganz schnell gen 0. In einem Café in Pontorson überlegen wir wie’s weiter geht.

Wir sagen dem starken bretonischen Wind ab und wollen nochmal eine Strecke mit dem Zug überbrücken. Bis Brest soll es gehen. Den Wind wollen wir uns von dort als Rückenwind zu nutze machen. Auch das Städtchen St. Malo werden wir nicht sehen. Es wird von Touristen sehr überlaufen sein. Alle die mit uns kurz gesprochen haben wollen als nächstes da hin. Damit wir besser im „flow“ sind oder bleiben werden wir wieder mehr die Witterungsbedingungen in die Tour einbeziehen. Auf Teufel komm raus alle großen Sehenswürdigkeiten anzuradeln ist Stress.

Zum nächsten Bahnhof müssen wir dennoch über 30km gegen den Wind zurück legen. Wir strampeln wie die Ochsen! Stärker sind wir ja geworden, der Wind leider auch… In Combourg angekommen haben wir weiche Knie. Beim Einkaufen hauen wir mit hungrigen Bäuchen den Wagen voll und verdrücken ein Teil beim Warten auf den Zug. Von Combourg ging es über Rennes nach Brest. Beim umsteigen wundern uns über das Verhalten einiger Franzosen, aber denken wir, zu Hause würde das auch passieren. Der Schaffner musste den Leuten auf dem Fahrradstellplatz erklären, dass sie sich bitte wo anders hinsetzen, damit wir mit unseren Rädern zusteigen können…

21Uhr erreichen wir Brest und legen eine kleine Tour zum Zeltplatz zurück. Gespannt erwarten wir die nächsten Tage, wie es weiter geht. ?

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